Flipped Classroom I: Die Idee

Die Serie “Flipped Classroom”

In einer Serie von 4 Blogbeiträgen wird gezeigt, wie die Idee des “Flipped Classroom” technisch umgesetzt werden kann. Es ist ein exemplarischer Weg von vielen Möglichkeiten.

Teil 1: Was ist “Flipped Classroom”? – Die Idee
Teil 2: Lehrvideos erstellen
Teil 3: Aufgaben stellen & Rückmeldung erhalten
Teil 4: Auslieferung an die Schülerinnen und Schüler

Was ist “Flipped Classroom”?

Der “Umgedrehte Unterricht” beschreibt eine Unterrichtsmethode, in welcher die klassische Organisation verdreht wird. Statt in der Schule neue Lerninhalte zu lernen und diese dann zuhause zu vertiefen, lernen die Schülerinnen und Schüler die Themen zuhause und festigen den Stoff in der Schule. Die Rolle der Lehrperson wandelt sich vom Vermittler zum Lerncoach.

Vorteile

Alle Lernenden können die neuen Lerninhalte in ihrem eigenen Tempo bearbeiten und beliebig oft “zurückspulen”. Selbst abwesende Kinder erhalten Zugang zu den neuen Themen und müssen nicht nachgeschult werden. Die Motivation zur Erledigung der Hausaufgaben ist grösser, da die Lernenden mehr Verantwortung erhalten und auch wissen, dass die Inhalte im Unterricht teilweise vorausgesetzt werden. Bei Problemen entwickeln die Lernenden Methoden, um weiter zu kommen. So benutzen sie etwa aktiv das Internet zur Suche anstatt passiv die Lehrperson zu fragen.

Im Unterricht bleibt der Lehrperson viel Zeit zur individuellen Betreuung. Wählt man für Flipped Classroom gar die geeigneten Tools, so weiss man schon vor Schulbeginn, welche Inhalte generell Mühe bereitet haben und welche Schülerinnen und Schüler individuelle Unterstützung benötigen. Eine formative Überprüfung lässt sich also direkt in die Aufträge zuhause einbauen. Dazu aber in Teil 3 mehr. In der Schulstunde kann jedes Kind gemäss seinem Lernstand die Inhalte vertiefen und trainieren. Das bedeutet aber, dass die geeigneten differenzierenden Materialien zur Verfügung stehen müssen.

Gefahren

Was für alle Unterrichtsmethoden gilt, gilt auch für “Flipped Classroom”: Nur der wohlüberlegte Einsatz bringt Erfolg. Es gibt durchaus auch Situationen, für welche der klassische und verpönte Frontalunterricht am besten geeignet ist.

Wenn man Flipped Classroom nur durch Videos umsetzt, so wird bloss der Frontalunterricht verlagert. Zu einer Lerneinheit zuhause gehört mehr dazu! Mit Aufgaben müssen sich die Lernenden mit dem Stoff aktiv auseinandersetzen.

Auf keinen Fall darf in der Schule der Stoff nochmals von Grund auf erklärt werden. Auch nicht, wenn kaum jemand die Hausaufgaben gemacht hat. Dies hätte zur Folge, dass sich zukünftig niemand mehr vorbereiten würde. Im Unterricht ist Individualisierung gefragt, damit Lernende, welche den Stoff verstanden haben, diesen vertiefen können und Kinder mit Fragen Zeit erhalten, diese zu klären und den Stoff zu festigen.

Selbststudium benötigt viel Zeit. Berücksichtigen Sie das beim Erteilen von Hausaufgaben.

Fazit

Ich persönlich setze Flipped Classroom gerne ein. Wenn man die Umgebung geschickt gestaltet, arbeiten die Schülerinnen und Schüler gewissenhaft. Sie können die Vertiefungsstunden jeweils kaum erwarten, da sie dort unter Beweis stellen können, was sie alles erreicht haben. Aus persönlichen Erfahrungen behaupte ich sogar, dass die so behandelten Themen besser beherrscht werden. Ich vermute zwei Gründe: Da die Lernenden mehr Verantwortung für ihr Lernen übernehmen müssen, setzen sie sich auch vertieft mit der Materie auseinander. Andererseits kann die Zeit in der Schule effektiver genutzt werden.

Flipped Classroom eignet sich für alle Stufen, von Unterstufe bis Universität. Je älter die Lernenden sind, desto effektiver und öfter kann das System eingesetzt werden.

Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass Flipped Classroom Lektionen deutlich mehr vorzubereiten geben. Die Erstellung von Lernanweisungen für zuhause und das Bereitstellen von differenzierenden Materialien für die Festigungsphase in der Schule nehmen Zeit in Anspruch. Nur schon dadurch wird es wahrscheinlich nicht täglich zum Einsatz kommen.

Weiter geht’s im nächsten Blogbeitrag mit Teil 2: Lehrvideos erstellen

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