Flipped Classroom III: Aufträge erstellen & Feedback erhalten.

Damit die Schülerinnen und Schüler zuhause erfolgreich neue Lerninhalte erarbeiten können, müssen sie sich intensiver mit dem Stoff auseinander setzen. Mit einem Lernfilm alleine ist es noch nicht getan.

Die Serie “Flipped Classroom”

In einer Serie von 4 Blogbeiträgen wird gezeigt, wie die Idee des “Flipped Classroom” technisch umgesetzt werden kann. Es ist ein exemplarischer Weg von vielen Möglichkeiten.

Teil 1: Was ist “Flipped Classroom”? – Die Idee
Teil 2: Lehrvideos erstellen
Teil 3: Aufgaben stellen & Rückmeldung erhalten
Teil 4: Auslieferung an die Schülerinnen und Schüler

Die digitale Lehrperson

Der Lernfilm lässt sich in ein Tool einbetten, welches den Film an von Ihnen definierter Stelle pausiert und den Schülerinnen und Schülern automatisch Fragen und Aufgaben zum Film stellt. Damit müssen sich die Kinder vertieft mit dem Inhalt auseinander setzen.

Ich fange meist mit einfachen Fragen an, welche die Kinder gar mit Multiple-Choice beantworten können. Etwa so: “Ahnst du es schon? Was wird das Ergebnis dieses Teilschrittes sein?” So müssen die Schülerinnen und Schüler aktiv mit denken und zuerst eigene Vermutungen kund tun, bevor sie im Lehrfilm die Lösung und den Lösungsweg sehen. Wenn die Grundkompetenzen eingeführt sind, so werden die Aufgaben immer schwieriger. Zum Beispiel fordere ich die Kinder in Mathe auf, weitere, analoge Aufgaben in das Matheheft zu lösen und die Lösung einzutippen. Nur dann geht der Film weiter.

Die Möglichkeiten sind je nach verwendetem Tool gross. Hier ein paar weitere Fähigkeiten, welche die virtuelle Lehrperson beherrscht:

  • Je nachdem, ob die Antwort richtig oder falsch gewesen ist, geht es an einer anderen Stelle des Filmes weiter. Achtung: Wenn man mit dieser Funktion einen früheren Part des Filmes nochmals abspielt, so kann eine Schlaufe entstehen, aus welcher das Kind nicht mehr heraus kommt.
  • Je nachdem, was für eine Antwort das Kind gegeben hat, kann eine unterschiedliche Rückmeldung erscheinen.
  • Die ganze Klasse kann an einem virtuellen Board diskutieren. Diese Option eignet sich gut für offene Fragen.
  • Antworten werden automatisch korrigiert und auf Wunsch bewertet.
  • Wenn die Lehrperson dies zulässt, können Aufgaben nochmals gelöst und verbessert werden.
  • Direkt aus dem Tool werden zusätzliche Informationen aus dem Internet verlinkt.
  • Mit Textfeldern können die Kinder noch offene Fragen und Unklarheiten der Lehrperson kund tun.
Die Schülersicht: Lernfilm rechts, automatisch eingeblendete Aufgabe links.

Vorteile

Lernende werden so eng an die Hand genommen und trotzdem müssen sie sich aktiv am Lernprozess beteiligen. Es besteht aber kein Zeitdruck, die Lerninhalte gemeinsam mit der Klasse in einer Durchschnittszeit zu erreichen. Jeder kann in seinem eigenen Lerntempo arbeiten.

Die Vorteile für die Lehrperson und die weitere Unterrichtsplanung sind aber ebenso gewichtig. Die Lehrperson hat ein Backend-Login, mit welchem alle Antworten und Arbeiten der Kinder betrachtet werden können. Die Resultate werden übersichtlich dargestellt. Nun wissen Sie bereits am Vorabend, welche Schülerinnen und Schüler das Thema bereits gut begriffen haben und welche noch Mühe haben. Auch kennen Sie die Aufgaben, welche generell der Klasse Schwierigkeiten bereitet haben. Dieses Wissen können Sie nun für die Unterrichtsplanung mit einbeziehen. Damit lässt sich die Übungs- und Festigungsphase in der Schule bestmöglich individualisieren. Es geht keine Zeit mit Hausaufgaben kontrollieren und auswerten verloren. Die ganze Stunde steht dem eigentlichen Ziel, der Festigung und Klärung von offenen Fragen, zur Verfügung. Das lässt den Unterricht extrem effizient werden und keine Schülerin und kein Schüler ist über- oder unterfordert. Alle haben die Möglichkeit, gemäss ihren Fähigkeiten zu lernen.

Die Auswertung mit richtigen, korrigierten und falschen Antworten.

Video-Frage-Tools

Im Moment gibt es zwei entsprechende Tools, welche die genannten Fähigkeiten mit sich bringen. Beide bieten eine kostenlose Version an, welche entweder die Anzahl an Lehrfilmen oder die Anzahl an Übungsminuten beschränkt.

Ich arbeite mit Playposit, da es das umfangreichere Tool ist. Vor allem bietet es die Möglichkeit von Einwort-Antworten, welche automatisch kontrolliert werden. Das ist für Matheaufgaben eine zentrale Funktion. Momentan reicht mir der kostenlose Account, sobald die Gratisminuten jedoch aufgebraucht sind, muss man auf den etwas teuren Pro-Account umstellen.

Günstiger ist Edpuzzle, welches ebenfalls einen guten Job macht. Im Funktionsumfang muss man aber Abstriche machen.

Zwei weitere Tools, Zaption und Vizia haben ihren Dienst eingestellt, beziehungsweise funktionieren nicht mehr zuverlässig.

Einen minimalen Funktionsumfang bietet das kostenlose Tool timeline.ly. Allerdings kann man damit nur Texte, Links oder Bilder an bestimmte Stellen des Films platzieren. Aufgabenstellungen mit Auto-Kontrolle und direkter Rückmeldung sind damit nicht möglich. Das Tool habe ich bereits in einem früheren Blogbeitrag vorgestellt.

Fazit

Playposit und Edpuzzle machen Lehrfilme erst so richtig wirkungsvoll. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten damit gewissenhaft, auch weil sie wissen, dass die Lehrperson ihre Ergebnisse auswertet. Genau diese Möglichkeit macht sie zu einem mächtigen Unterstützung in der Unterrichtsvorbereitung. Die Schulstunden werden richtig produktiv.

Weiter geht es im nächsten Blogbeitrag mit der Auslieferung der Übungen.

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